Kennen Sie das Pfingsthoppen?

Wenn in Weisweil am Rhein Kinder durchs Dorf ziehen, könnte man meinen, es sei Halloween. In Wahrheit ist es aber Pfingstmontag, und der Brauch ist durch und durch badisch.

Der Weihnachtsbaum kann laufen. Wie von Geisterhand gesteuert, marschiert das grüne Etwas durch die Straßen von Weisweil, begleitet von einem Jungen und einem Mädchen, die ihn sicher zum nächsten Ziel

eskortieren. Das Ziel ist jeweils ein Wohnhaus, an dem die wunderliche Abordnung klingelt. Öffnet der Hausbesitzer, dauert es nicht lange, bis es Geschenke regnet: Schokolade, Bonbons, gerne auch mal Geld. Die Kinder nehmen es dankbar entgegen, lächeln freundlich und steuern die nächste Einfahrt an. „Pfingsthoppen“ heißt es, wenn sich in dem badischen Örtchen alljährlich die Kinder verkleiden und ähnlich wie an Halloween auf Heischezug gehen. Die auffälligste Verkleidung ist der Pfingsthäs oder Pfingstkäs, wie die Einheimischen gerne auch mal sagen: ein tipiartiges Gebilde aus grünen Rohrmatten, das mit seinen bunten Aufsteckblumen tatsächlich an einen geschmückten Christbaum erinnert.

Wie der Rhein und wie die Störche

Darunter steckt diesmal der zwölfjährige Tom. Eine Klappe in Gesichtshöhe ist seine Sichtverbindung nach draußen, ansonsten sorgen Maxi (9) und Mika (12) dafür, dass ihm und seinem kegelförmigen Mantel nichts

passiert. Mika trägt dazu eine rote Schärpe und einen Strohhut und sieht aus, als ob er demnächst die badische Revolution anführen möchte. Wie jedes Jahr am Pfingstmontag ist auch diesmal ganz Weisweil in Aufruhr. Einen Vormittag lang ziehen die Kinder durch die Straßen und sagen ihre Sprüchlein auf: „Horchet, was i euch will sage, am e so ne schene Tage (…) Gebt mir auch ein Ei oder zwei, das ist mir ganz einerlei (…)“ Es gibt eine Kurzversion für die Kleinen und eine Langversion für die Größeren. Und am Ende viel Applaus, wenn selbst die Vierjährigen ihr Verslein halbwegs korrekt aufgesagt haben.

Das Pfingsthoppen gehört zu Weisweil wie der Rhein, der dort vorbeifließt, oder die Störche, die auf dem Dach des Kirchturms landen. Es ist ein evangelischer Kirchturm und das Pfingsthoppen eine Gepflogenheit, die in aller Regel mit der Konfirmation endet. Doch vom dritten bis zum 13. Lebensjahr zieht fast jeder dort jährlich um die Häuser, die Kleinen in Begleitung ihrer Eltern, die Großen mit Geschwistern oder Freunden.
Auch Björn Jakob (37) war als Kind ein fleißiger Pfingsthopper. Jetzt karrt er seine beiden Söhne Paul (4) und Benjamin (3) durchs Dorf und sorgt dafür, dass sie nicht mit leeren Taschen nach- hause kommen. Bei der Tante wird als erstes Station gemacht. Paul trägt etwas verlegen den langen Spruch vor und zaubert den Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht: „Gut häsches gmacht“, tönt es sehr alemannisch, wie üblich in dieser Region ganz im Südwesten Baden- Württembergs.

Historisches Zubrot

Wie lange es das Pfingsthoppen schon gibt, vermag auch Heinz Ehrler vom Heimatmuseum nur ungefähr zu sagen: „Irgendwann im 19. Jahrhundert kam es auf“, sagt er, ein Brauch, der bis heute ausschließlich im 2100-Einwohner-Dorf Weisweil gepflegt wird und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg tat- sächlich auch noch dazu diente, die kargen Lebensmittelvorräte aufzubessern.

Als Kind zog der heute 81-jährige Ehrler selbst durch den Ort, bekam damals wirklich noch Eier und Speck zugesteckt von den Bauern. War es mehr als man brauchte, „dann haben wir es verkauft“, sagt er mit einem Lächeln. So kam auch noch ein wenig Geld in die Kasse der armen Nachkriegskinder, die sich noch streng an alle Regeln hielten: So endet traditionell das Pfingsthoppen mit dem Läuten der Kirchenglocken und dem Gottesdienstbeginn um zehn Uhr.
Das freilich nimmt heute keiner mehr so genau, sodass oft bis kurz vor zwölf am Pfingstmontag die Buben und Mädchen im Dorf unterwegs sind. Am Ende treffen sich alle am Feuerwehrhaus zum Gruppenbild und zur Ehrung. Es gibt kleine und große Preise, Belohnungen für die, die dabei sind und den alten Brauch hochhalten.

Der Hoppenstecken

Tatsächlich war das Pfingsthoppen zeitweilig etwas erlahmt in Weisweil, und nur noch eine Handvoll Kinder waren jährlich unterwegs. Doch seitdem die Vereine sich dafür einsetzen und die Kinder und Eltern ermutigen, nimmt die Zahl der Pfingsthopper wieder zu. 34 waren es im Jahr 2018. Fast alle tragen eine Rute mit einer weißen Fahne und einer Rose an der Spitze: den sogenannten Hoppenstecken, der wie eine Standarte stolz vor sich hergetragen wird. Die meisten sind selbst gemacht, die weiße Flagge aus Tapete und Leim an die hölzerne Rute geklebt. Nur die Zahl der Pfingstkäse könnte etwas größer sein. „In meiner Kindheit“, erinnert sich Heinz Ehrler, „waren das manchmal über zehn Stück.“ Immerhin: Der Brauch hat sich in Weisweil gehalten – das die Einheimischen übrigens typisch alemannisch ganz ohne „ei“ aussprechen: „Wiswil“; so wie „Zit“ und „Ziting“ statt Zeit und Zeitung. Das „ei“ kommt im Badischen so gut wie nicht vor und wenn, dann in jener Form, wie es die Pfingsthopper einst erhielten. In seltenen Ausnahmefällen wird ihnen sogar heute noch ein Hühnerei zugesteckt. Dann können sie mit reicher Beute nachhause hüpfen: Das Hoppen ist vermutlich auf jenes Wort zu- rückzuführen, das den Sprung von einer Station zur nächsten beschreibt.
Vor Freude gehüpft wird in Weisweil auch Ende Oktober zur Kirchweih, kurz „Kilwi“ genannt: ein Volksfest mit Umzug, Pferden, Musik und Tracht, immer am letzten Oktober-Wochenende. Das Pfingsthoppen am Montag ist hingegen etwas für den kleinen Kreis. Ein Stück Brauchtum für die Familie, vom Vater auf den Sohn und der Mutter auf die Tochter vererbt. Auch 2019 wird es wieder einen laufenden „Weihnachtsbaum“ in Weisweil geben. Und hoppende Kinder, die von froh gelaunten und freigiebigen Erwachsenen gerne mit Geld und Gaben versorgt werden

Hopp, hopp, nomol hopp, gib mir au e Ei oder zwei oder a Stickli Speck, sunschd gang i nimmi vom Fänschda eweg.
Der kurze Pfingsthopper-Spruch

Horchet, was i euch will sage, am e so ne schene Tage, wo i geh von Haus zu Haus, nehmt ein Ei zum Nest heraus. Gebt mir auch ein Ei oder zwei, das ist mir ganz einerlei. Lasst mich nicht so lange stehn, denn ich muss noch weitergehn.
Der lange Pfingsthopper-Spruch

Quelle: mein Ländle

Die Weisweiler Kilwi

Ein echtes Großereignis in Weisweil ist die Kirchweih, „Kilwi“ genannt, am letzten Oktober-Wochenende.

Gefeiert wird in der Rheinwaldhalle, aber auch mit einem Festumzug und dem traditionellen Hammeltanz.

Eines der urtümlichsten Feste der Region ist wohl die Weisweiler Kilwi. Diese wird nach alten überlieferten Regeln jedes Jahr am letzten Oktoberwochenende von uns veranstaltet und gefeiert. Über drei Tage läuft dann das traditionelle Kilwi-Programm ab und bildet somit ein Höhepunkt im Vereinsjahr des Musikvereins.

Aber was genau ist die “Kilwi” und woher stammt dieser uralte Brauch?
Die Kilwi wird traditionell über das Kirchweihfest gefeiert. Die Kirchweihe wird seit dem Mittelalter als christlich religiöses Fest anlässlich der Weihe von Kirchengebäuden gefeiert. Somit gehörte die Kilwi damals zu den höchsten Feiertagen im Kirchenjahr und wurde demnach entsprechend fröhlich und ausgiebig gefeiert.

Gestartet wird das Kilwi-Wochenende am Samstag. Hier wird bei ausgelassener Stimmung in der Rheinwaldhalle zum Tanz geladen. Früher fand der Tanz am Kilwi-Montag statt. Zur späteren Stunde werden die Gästen zum traditionellen Hammeltanz geladen, welcher noch nach den alten Regeln von damals durchgeführt wird. Zu den Klängen des Weisweiler Kilwi-Walzers, gespielt vom Musikverein, tanzen die Paare abwechselnd mit dem Kilwi-Strauß um den Hammel herum. Nach einer getanzten Runde wird der Strauß an das nächste Tanzpaar übergeben. Über dem Hammel wird an einer verdeckt aufgehängten Kerze mit einer etwa 1 m langen Schnur ein Trinkglas befestigt. Sobald diese Schnur abgebrannt ist, fällt das daran befestigte Glas zu Boden. Das Paar, das in diesem Moment um den Hammel tanzt, hat gewonnen und darf sich als neues Hammelpaar feiern. Als Gewinn erhält das Tanzpaar den Kilwihammel.

Der Kilwi-Sonntag wird traditionell mit einem Festgottesdienst in der Rheinwaldhalle begonnen. Dadurch wird auch heute noch der kirchliche Ursprung deutlich gemacht. Im Anschluss an den Gottesdienst wird das traditionelle Weisweiler “Dunkili” serviert, so wie es über die ganzen Kilwi-Festtage auch von den Weisweiler Gastronomen zubereitet und angeboten wird. Während des Mittagstisches gibt immer ein befreundeter Musikverein ein Frühschoppenkonzert..
Am Nachmittag wird neben Kaffee und Kuchen ein Kindernachmittag durch unsere Jungmusiker durchgeführt. Außerdem findet am Nachmittag eine Verlosung statt. Die Lose werden jedes Jahr im Vorfeld durch die Musiker im Dort verkauft. Als Hauptpreis winken jedes Jahr 500 Euro.

Der Höhepunkt der Kilwi stellt der Montag durch den traditionellen Kilwi-Umzug dar. Ab 13.30 Uhr zieht der Musikverein in Bauernkleidung durchs Dorf. Die Weisweiler, welche früher vorwiegend in der Landwirtschaft und im Handwert tätig waren, legten an diesem Tag ihre Arbeit nieder. Angeführt wird der Umzug durch den Kilwi-Hammel mit dem Hammelführer. Hinter der Kapelle wird das Kilwi-Rad gezogen, welches schräg auf einem Holzbalken eingelassen ist und sich durch eine spezielle Vorrichtung dreht, wenn ein Pferdegespann es zieht. Auf diesem Rad saßen früher die Rekruten des jeweiligen Jahrgangs.
Dem Musikverein ist es seit jeher ein großes Anliegen, dieses historische und zu Weisweil gehörende Fest aufrecht zu erhalten und zu pflegen.

Quelle: www.mv-weisweil.de

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